Virtuelle historische Sonderführung durch den Badstraßen-Kiez

 

Die Wiege des Stadtteils Gesundbrunnen
und jüdisches Leben entdecken!

 

 

Da aufgrund der Corona-Pandemie Kiezführungen im Moment nur mit Einschrän-kungen stattfinden können, möchte ich Sie und Euch hiermit zu einer virtuellen historischen Sonderführung durch den Badstraßen-Kiez einladen.

 

Sie beinhaltet einige Stationen der historischen Führung durch das Quartier der Badstraße, und einige Stationen der Führung „Jüdisches Leben im Gesund-brunnen“, die bisher noch nicht stattgefunden hat, die jedoch aus dem gleichnamigen Lichtbild-Vortrag in 2019 entstanden ist.  Es ist auch eine Station dabei, die nicht auf der Route einer der beiden Führungen liegt. 

© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Etliche Gebäude im Badstraßen-Kiez erzählen von der Geschichte des Kiezes, die man den Häusern nicht auf den ersten Blick ansieht.

 

Sie sind historische Zeitzeugen aus Stein.

 

Zu jeder Station wird die Adresse und ein Link zum Stadtplan angegeben, so dass Sie sich orientieren können, wo sich die Station genau befindet.

 

Vielleicht möchten Sie ja auch den einen oder anderen Ort ja beim täglichen Gesundheits-spaziergang in natura sehen.

Viel Spaß und bleiben Sie gesund!

Ihre Diana Schaal

 

Panke-Mühle

 

finden Sie in der Badstraße 40a, 13357 Berlin.

 

Wenn man von der Badstraße in die Travemünder Straße einbiegt, sieht man sie auf der anderen Seite der Panke.

Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828
Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828

Das erste und lange Zeit einzige Gebäude an der Panke war eine Wassermühle.

 

Sie wurde 1714 erbaut.

 

Drum herum waren nur Wald und Wiesen!

 

Die Mühle wurde mit der Industrialisierung 1890 still-gelegt, und das Mühlrad entfernt.

 

Die Panke-Mühle heute, Badstr. 40a    © Diana Schaal
Die Panke-Mühle heute, Badstr. 40a © Diana Schaal

Man kann heute an der Außenmauer der Mühle noch sehen, wo das Mühlrad einmal saß.  

 

1981 wurde das Mühlen-gebäude vom Architektur-büro Planer in der Pankemühle restauriert, das heute noch dort sitzt

 

Nun befand sich bei der Mühle eine Quelle, die bereits seit 1748 bekannt war.

 

Drei Jahre später wurde ihre Qualität als eisenhaltige Heilquelle nachgewiesen.

 

Wenn man die Travemünder Straße noch ein Stückchen weiter runter geht, dann kommt man zum ehemaligen Heilbad, wo heute die Bibliothek am Luisenbad ist, mit der Adresse Badstr. 39

Friedrich der Große bzw. König Friedrich II. von Preußen
Friedrich der Große bzw. König Friedrich II. von Preußen

 

Heilbad

 

 

Friedrich der Große hatte einen Hofapotheker

- Dr. Heinrich Wilhelm Behm.

 

1757 gewährte der König seinem Hofapotheker

Dr. Behm das Privileg, hier ein Heilbad einzurichten und zu betreiben.

 

1760 wurde das Heilbad unter dem Namen „Friedrichs-Gesundbrunnen“ eröffnet.

Das Heilbad um 1770
Das Heilbad um 1770

Die fertige Anlage bot Platz für 40 Kurgäste. Hier sehen wir in der Mitte das Brunnenhaus. Dort sind die Kurgäste hingegangen, um das Heilwasser zu trinken.

 

Friedrich der Große hat das Heilbad auch selbst besucht.

 

Die ursprüngliche Anlage des Heilbads sollte nach Behms Vorstellungen mit einem riesigen Kurpark ausgestattet werden. Doch Friedrich der Große drehte Behm schließlich den Geldhahn zu, weil ihm das Ganze zu teuer wurde.

 

Seine Beamten wurden beauftragt: „den Supplikanten mit seinem unstatthaften Gesuch abzuweisen, wobey er sich beruhigen, und uns mit unnützen Praetensionen nicht weiter behelligen muß.“  Klare Worte von Seiten des Königs!

Königin Luise von Preußen
Königin Luise von Preußen

 

1809 hat man das Heilbad zu Ehren der Königin Luise in „Luisenbad“ umbenannt.

 

1885 kaufte der Baumeister Carl Galuschki die Anlage.

 

Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch kein Heilbad mehr, sondern ein beliebtes Ausflugsziel mit Biergarten,

Kegelbahn und Theatersaal.

 

Das Brunnenhaus hat Galuschki in den Biergarten versetzen lassen, weil er an der Ecke zur Badstraße das sog. Luisenhaus errichtet hat.

Reste des ehemaligen Heilbads © Diana Schaal
Reste des ehemaligen Heilbads © Diana Schaal

 

Diese Neo-Renaissance-Fassade aus dem Jahr 1888 stammt von Galuschki.

 

Das Nebengebäude mit der Inschrift „Kafeküche“ hat er 1905 angebaut.

Hier konnten Familien Wasser für ihren mitgebrachten  Ausflugs-Kaffee heißmachen.

© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Als 1908 die Travemünder Straße hier angelegt wurde, war das Brunnenhaus wieder im Weg.

Dieses Mal wurde es endgültig abgerissen.

 

Zum Gedenken an das abgerissene Brunnenhaus hatte Galuschki dieses Relief an der Fassade des Luisenhauses, dem Eckhaus zur Badstraße, anbringen lassen.

 

Auf dem Brunnenhaus stand die lateinische Inschrift „In Fonte Salus – Im Brunnen die Gesundheit“.

 

 

 

 

Die Heilquelle war bereits spätestens 1880 versiegt, denn ihre Wasserader war bei Kanalbauarbeiten in der Badstraße angestochen worden.

Das war das Ende der Gesundbrunnen-Quelle.

 

Heute befindet sich in den Resten des ehemaligen Heilbads die Bibliothek am Luisenbad.

 

Gegenüber auf der anderen Seite der Panke sieht man die Reste der Tresorfabrik Arnheim.

 

Tresorfabrik Arnheim

 

Der Schlosser Siegmund Joel Arnheim hatte 1833 in der Rosenthaler Straße die erste Werkstatt zum Bau feuerfester Kassen- und Panzerschränke gegründet.

 

Sohn Carl Arnheim führte den Betrieb bis zu seinem Tod 1905 weiter.

 

Arnheim war die erste Tresorfabrik überhaupt in Deutschland!

 

1890 hatte Carl Arnheim ein riesiges Grundstück entlang der Panke gekauft, das sich heute noch von der Osloer Str. 102 bis zur Badstraße 40 nachvollziehen lässt.

 

Shedhallen der ehemaligen Tresorfabrik Arnheim © Diana Schaal
Shedhallen der ehemaligen Tresorfabrik Arnheim © Diana Schaal

Diese Shedhallen gehörten ebenfalls zur Tresorfabrik Arnheim.

 

Sie wurden 1897 fertig gestellt, stehen unter Denkmalschutz und sind das einzige, was von der riesigen Fabrikanlage  noch übrig geblieben ist.

 

Heute ist hier die Bildhauer-Werkstatt bbk Berlin e.V. untergebracht.

 

Briefkopf der Firma Arnheim mit Fabrikgelände
Briefkopf der Firma Arnheim mit Fabrikgelände

In der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet auch die Tresorfabrik Arnheim in Schwierigkeiten.

 

1938 wurde der Betrieb zwangsarisiert, d.h. an nichtjüdische Besitzer verkauft.

 

Carl Arnheims Witwe Dorothea Arnheim wurde 1942 im KZ Theresienstadt ermordet.

 

Ihre beiden Söhne waren bereits zuvor nach Riga deportiert und dort ermordet worden.

 

 

Kirche St. Paul

 

Kirche St. Paul
Kirche St. Paul

Ab 1830 wurden die dorfähnlichen Kolonien wie der Gesundbrunnen langsam zu Vorstädten von Berlin.

 

König Friedrich Wilhelm III. verlangte für die Vorstadtkirchen einfache, kosten-günstige Bauten ohne Türme und ohne aufwendige Fassaden.

 

Die Entwürfe für 4 Vorstadtkirchen lieferte Karl Friedrich Schinkel.

 

Kirche St. Paul heute, Badstr. 50 © Diana Schaal
Kirche St. Paul heute, Badstr. 50 © Diana Schaal

Eine davon ist die Kirche St. Paul in der Badstr. 50, an der Kreuzung Prinzenallee.

 

Die Kirche wurde nach dem Vorbild eines klassischen antiken Tempels gestaltet und 1835 fertig gestellt.

 

Schinkel hatte dabei bewusst auf einen Kirchturm verzichtet, weil die Kirche wie ein klassischer Tempel aussehen sollte.

 

Der 32 m hohe freistehende Glocken-turm wurde erst 1890 dazu gebaut – deshalb fehlt er auf dem historischen Bild.

 

Er soll wie ein italienischer Glockenturm aussehen.

 

Synagoge Gesundbrunnen

 

1889 hat sich der Israelitische Religionsverein Ahavas Achim Gesundbrunnen gegründet. Ursprünglich hatte er einen provisorischen Betsaal im Haus des Bank-vereins Gesundbrunnen in der Badstr. 20. 

 

Synagoge Gesundbrunnen, Prinzenallee 87
Synagoge Gesundbrunnen, Prinzenallee 87

Im Jahr 1900 hat der Verein den Bau einer kleinen Synagoge in der Prinzenallee 87 beantragt.

 

Zuerst wurde eine ehemalige Gartenhalle zum Betsaal umgebaut und 1910 durch einen Neubau ersetzt.

 

Es war eine der ersten Synagogen im Stadtteil. Sie bot 250 Gläubigen Platz.

 

Da die Synagoge inmitten von Wohnhäusern stand, wurde sie in der Pogromnacht am

9. November 1938 nicht abgebrannt. Allerdings wurde das Innere des Gottes-hauses vollkommen zerstört und ausgeraubt.

 

Nach 1945 wurde das Gebäude von den Zeugen Jehovas zu einem "Königreichssaal" umgebaut. Es hat kaum mehr Ähnlichkeit mehr mit der Synagoge.

 

Da sich das Gebäude im Hinterhof befindet, kann man es von der Straße aus nicht sehen. Im Durchgang leider nicht öffentlich zugänglich gibt es eine Gedenktafel.

 

Bernhard-Rose-Theater

 

Man glaubt es kaum, doch ab Mitte des 19. Jh. war die ganze Badstraße eine einzige Biergartenmeile!

 

Die Biergärten zogen sich von der Kreuzung Badstraße Ecke Hochstraße runter bis zum ehemaligen Luisenbad. Gegen Ende des 19. Jh. erweiterten sich viele um Festsäle und Theaterbetrieb. Ab 1911 wurde manches dieser Etablissements zu einem Kino.

 

Außer einer Berliner Gedenktafel ist von dieser Entwicklung heute nichts mehr übrig geblieben.

 

Gedenktafel für das Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58 © Diana Schaal
Gedenktafel für das Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58 © Diana Schaal

Bereits 1865 gab es in der Badstr. 58 an einem ländlichen Häuschen aus dem 18. Jh. einen Kaffeegarten mit einem kleinen Rummelplatz. 1884 kamen mit einem Besitzerwechsel ein Tanzsaal und eine Orchesterbühne dazu.

 

1902 schließlich bezog Bernhard Rose mit seinem 30-köpfigen Ensemble die
Badstr. 58 als Pächter und benannte die Lokalität um in „Bernhard Rose-Theater“.

So sah der Eingang damals aus:

Eingang zum Garten des Bernhard Rose-Theaters, 1904
Eingang zum Garten des Bernhard Rose-Theaters, 1904

Bernhard Rose führte u.a. Lessings „Minna von Barnheim“, Schillers „Räuber“ und Shakespeares „Othello“ auf – also Stücke mit Niveau.

 

Sein Theater war so erfolgreich, dass er damit in die Große Frankfurter Straße in Friedrichshain umzog. 1908 führte sein Neffe Willy Voigt das Theater in der Badstraße weiter.

 

Es war das letzte Theater in der Badstraße.

Aus dem Rose-Theater in der Badstr. 58 wurde 1922 das Kino Alhambra.

 

Heute befindet sich in der Badstr. 58 der Supermarkt REWE.

 

Schräg gegenüber mündet die Stettiner Straße in die Badstraße.

Hier befinden sich einige der ältesten noch erhaltenen Häuser im Badstraßen-Kiez.

 

Häuser Stettiner Straße 63 und 64

 

Häuser Stettiner Straße 64 und 63 © Diana Schaal
Häuser Stettiner Straße 64 und 63 © Diana Schaal

Mit dem grünen Haus in der Stettiner Str. 63 sehen Sie eines der ältesten noch erhaltenen Wohnhäuser im Quartier der Badstraße:

Es wurde 1864 erbaut, hat nur 2 Obergeschosse und eine sparsame klassizistische Putzfassade.

 

Links davon sehen Sie ein gelbes Haus, die Stettiner Str. 64, 1871 erbaut.

 

Dieses Wohnhaus ist schon etwas aufwendiger und repräsentativer gestaltet und war für besser gestellte Mieter. Die Fassade ist eindeutig klassizistisch gestaltet, wie man auch an dem stumpfwinkligen Dreiecksgiebel unter dem Dach sieht.

 

Das Haus hat bereits 3 Geschosse und links unten ein Souterrain für Ladengeschäfte.

 

Beide Häuser stehen unter Denkmalschutz.

Die nächste Station gehört nicht zur Route der Führung, aber dennoch möchte ich Sie Ihnen und Euch nicht vorenthalten.

 

Wohnhaus von Otto Nagel

 

Der Maler Otto Nagel (1894 – 1967) wurde in der Reinickendorfer Str. 67 im Wedding geboren und ist auch im Wedding aufgewachsen. Nach einer abgebrochenen Lehre und einigen Jahren als Hilfsarbeiter nahm er Zeichenunterricht und malte 1919 erste Ölbilder und Pastelle.

Früheres Wohnhaus von Otto Nagel, Badstr. 65 © Diana Schaal
Früheres Wohnhaus von Otto Nagel, Badstr. 65 © Diana Schaal

Er war Kommunist, und sein zentrales künstlerisches Thema war die Arbeiterschaft, v.a. im Wedding, deren Lebensbedingungen und der proleta-rische Klassenkampf.

 

1935 ist Otto Nagel mit seiner Frau Walentina in die Badstr. 65 gezogen.

 

Das Haus sehen Sie hier auf dem Foto, wie es heute aussieht.

 

Im 4. Stock hatten sie eine kleine Wohnung, die Otto Nagel auch als Atelier genutzt hat.

 

Hier haben sie bis 1943 gelebt.

 

Nachfolgend sehen Sie ein Bild, das den Ausblick aus seinem Atelier auf die gegenüberliegende Grüntaler Straße zeigt.

 

 

Otto Nagel - Blick aus seinem Atelier in die Grüntaler Straße
Otto Nagel - Blick aus seinem Atelier in die Grüntaler Straße

Viele Bilder von Otto Nagel wurden von den Nazis als „entartet“ eingestuft und vernichtet.

 

In den Jahren 1936 bis 1937 war Otto Nagel im KZ Sachsen-hausen bei Oranienburg inhaftiert.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er in der DDR.

 

Bis 1954 war Otto Nagel Mitglied der Volkskammer.

 

 

Von 1956 bis 1962 hatte er das Amt des Präsidenten der Akademie der Künste der DDR inne.

 

Trasse der Berlin-Stettiner Eisenbahn

 

Grüntaler Promenade © Diana Schaal
Grüntaler Promenade © Diana Schaal

Wenn man am Spielplatz Grüntaler Straße Ecke Bellermannstraße vom Weg hinter den Häusern dort (siehe nebenstehendes Foto) und dann die Grüntaler Straße entlang schaut, dann sieht man heute die sog. Grüntaler Promenade.

 

Ab 1842 fuhr hier die Berlin-Stettiner Eisenbahn vom Stettiner Bahnhof – heute Nordbahnhof – nach Stettin.

Das ist eine Stadt in Polen.

 

Die Strecke führte dabei quer über die Badstraße, und dann entlang der ganzen heutigen Grüntaler Straße, auch über die Osloer Straße drüber, bis zu den Bahngleisen nach Norden

 

Bahnübergang der Berlin-Stettiner-Eisenbahn über die Badstraße
Bahnübergang der Berlin-Stettiner-Eisenbahn über die Badstraße

 

Wegen des relativ unsicheren Bahnübergangs in der Badstraße gab es hier viele Unfälle, bei denen auch Menschen umkamen.

 

1897 wurde der Bahnverkehr auf der bisherigen Trasse schließlich eingestellt und über die Trasse der Ringbahn und den Bahnhof Gesundbrunnen geleitet.

 

 

Wandbild "Graf von Itzenplitz" © Marlene Jachmann
Wandbild "Graf von Itzenplitz" © Marlene Jachmann

2004 hat die Künstlerin Marlene Jachmann, zusammen mit ihren Freunden Max Stock und Rolf Eisenburg, auf eine Brandmauer am Spielplatz ein Wandbild mit der historischen Dampf-Lokomotive „Graf von Itzenplitz“ gemalt – zur Erinnerung an diese Bahntrasse.

 

Heinrich Friedrich Graf von Itzenplitz war unter Bismarck Handelsminister und damit auch für die Infrastruktur, insbesondere die Eisen-bahn zuständig.

 

1869 hatte er sich eine Dampf-Lok für die Strecke der Berlin-Stettiner Eisen-bahn gekauft und sie nach sich benannt.

 

 

Das Wandbild versteckt sich jedoch zunehmend hinter der Vegetation.

 

Gartenstadt Atlantic

 

Geht man die Bellermannstraße nach Osten hinauf, so kommt man an der Heidebrinker Straße zur  Gartenstadt Atlantic.

 

Sie ist eines der wichtigsten Beispiele für den sog. Reformwohnungsbau in Berlin und wurde von 1925 bis 1928 von dem jüdischen Architekten Rudolf Fränkel erbaut.

 

Gartenstadt Atlantic, Heidebrinker Straße © Diana Schaal
Gartenstadt Atlantic, Heidebrinker Straße © Diana Schaal

 

Die 5-stöckigen Mietshäuser sind größtenteils in geschlossener Blockrandbebauung errichtet. Innen jedoch befinden sich große begrünte Innenhöfe, die man von außen nicht sieht.

 

Die Wohnungsgrößen wurden aus Kostengründen knapp gehalten:

 

Die Wohnungen hatten in aller Regel 1 ½ bis 2 ½ Zimmer und waren durchschnittlich 54 m2 groß.

 

Sie hatten die Toiletten in der Wohnung – das war eine große Neuerung gegenüber dem Klo auf der halben Treppe im Treppenhaus oder gar dem Außenklo im Hof einer Mietskaserne!

 

Viele Wohnungen hatten ein Bad mit einem Gasbadeofen, teilweise Zentralheizung und Einbaumöbel in der Küche.

 

© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Die Gartenstadt Atlantic ist im damals modernen Stil der neuen Sachlichkeit erbaut.

 

Dennoch gibt es einige florale Dekorationselemente, z.B. an der Türgewänden, siehe nebenstehendes Foto.

 

Die Gartenstadt Atlantic wurde 1995 unter Denkmal-schutz gestellt.

 

2004 wurde sie von der Stiftung Lebendige Stadt als bestes Konzept für innerstädtisches Wohnen ausgezeichnet.

 

 

 

 

Lichtburg

 

Damit die Menschen aus der Gartenstadt Atlantic gleich nebenan Zerstreuung fanden, hat Rudolf Fränkel noch die sog. Lichtburg mit Kino dazu gebaut.

Sie wurde 1929 fertiggestellt.

 

 

Sie war ihrerzeit eines der bedeutendsten Kino- und Varieté-Theater Deutschlands – ein Amüsierpalast mit über 2000 Sitzplätzen, Tanz- und Festsälen, Restaurants, Bars, Cafés, Kegelbahnen und Vereinszimmern.

 

Der Lichtkegel der drei rotierenden Marinescheinwerfer mit Parabolspiegeln war bis zum Alexanderplatz zu sehen! Die durchlaufenden Fensterbänder aus weißem Opalglas wurden von insgesamt 1000 Glühbirnen hinterleuchtet.

 

Die Lichtburg war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt worden.

 1947 erfolgte die Wiedereröffnung unter dem Namen Corso-Theater.

 

Doch nach dem Bau der Berliner Mauer wurde das Gebäude 1962 geschlossen und noch einige Jahre als Lebensmitteldepot benutzt.

 

1970 wurde es schließlich abgerissen.

 

In der Behmstr. 9 gibt es heute Lichtburg-Forum mit Restaurant und Veranstal-tungssaal, das hier 2003 eingerichtet wurde.

 

 

Ich freue mich über Kommentare in meinem Gästebuch!