Virtuelle historische Panke-Führung

 

Geschichte entdecken entlang der Walter-Nicklitz-Promenade!

 

© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Da aufgrund der Corona-Pandemie keine Kiezführungen stattfinden können, möchte ich Sie und Euch hiermit zur virtuellen historischen Panke-Führung einladen.

 

Sie folgt im Wesentlichen den Stationen meiner Historischen Panke-Führung,

die ich schon mehrfach angeboten habe.

 

Zu jeder Station wird ein Link zum Stadtplan angegeben, so dass Sie sich orientieren können, wo sich die Station genau befindet.

 

Vielleicht möchten Sie ja auch den einen oder anderen Ort ja beim täglichen Gesundheitsspaziergang in natura sehen.

 

 

 

 

 

Die gesamte Führung dauert ca. 2 Stunden.

Tragen Sie für den Weg entlang der Panke festes Schuhwerk.

 

Viel Spaß und bleiben Sie gesund!

 

Ihre Diana Schaal

 

Die Panke bildet den Ausgangspunkt der Besiedlung des Gebiets Gesundbrunnen.

Der Fluss entspringt bei der kleinen Stadt Bernau in Brandenburg und mündet in Berlin

beim Schiffsbauer Damm in die Spree.

 

Die Panke ist knapp 30 km lang, und davon befinden sich etwas über 20 km auf Berliner Stadtgebiet. Im Stadtteil Gesundbrunnen wurde der Lauf der Panke um 1900 begradigt und ist seitdem eher ein Kanal denn ein Fluss.

 

Auf dieser Strecke entlang der Panke werden Sie viele historisch interessante und sehenswerte Gebäude sehen – und hinter jedem steckt mindestens eine Geschichte.

 

Die meisten Gebäude werden heute ganz anders genutzt, als zum ursprünglichen Zweck.

 

Der Einstieg für diese Führung bildet die Soldiner Brücke (Stadtplanausschnitt).

 

Panke

 

Blick von der Soldiner Brücke auf die Panke © Diana Schaal
Blick von der Soldiner Brücke auf die Panke © Diana Schaal

Wenn Sie von der Soldiner Brücke aus einen Blick auf die Panke werfen, dann werden Sie eines feststellen: Der Fluss ist relativ sauber.

Das war jedoch nicht immer so!

 

Um 1880 siedelten sich immer mehr Industriebetriebe an der Panke an. 

 

Insbesondere die Gerbereien benutzten die Panke als Abwasserkanal: Die mit Chemikalien behandelten und gegerbten Häute wurden ausgespült - und das Wasser in die Panke geleitet.  

 

Gegerbt wurde übrigens mit Hundescheiße von Berliner Tölen – von denen gab es damals offenbar auch schon genügend. Es gab Menschen, die gewerbsmäßig Hundescheiße sammelten und sie an die Gerbereien verkauften!

 

 

1882 wurden an der Panke insgesamt 22 Gerbereien gezählt, dazu vier Leimsiedereien, eine Darmseidenfabrik, eine Knochenkocherei und zwei Papierfabriken. Auch Filz- und Hutfabriken belasteten die Panke mit ihren Abwässern.

In einem Gutachten des Berliner Chemikers Dr. Bischoff aus dem Jahre 1885 heißt es:

 

„Das Wasser macht den Eindruck einer in höchster Fäulnis befindlichen Jauche.

Die Massen, welche durch Gährung und Fäulnisgase in die Höhe getrieben werden, entstammen zum größten Theil den gewerblichen Anlagen oberhalb der Entnahmestelle, insbesondere den zahlreichen Gerbereien.

 

Meines Dafürhaltens geht alles, was jene Anlagen an überflüssigen Abgängen produzieren, auf dem kürzesten Wege in die Panke. Die dichten verfilzten Schlammmassen … sind zum größten Theile tierischen Ursprungs: … massenhaft Haare, Fette von Thierhäuten, Fleischreste.“

 

Damals entstand dann auch der Reim über die sog. „Stinke-Panke“:

 

»Wo die Panke mit Gestanke durch den Wedding rinnt,

da halten sich die Nasen zu, Mann und Frau und Kind«

Wenden Sie sich jetzt in Richtung auf den Eingang zum Soldiner Karree.

Gehen Sie dann den Uferweg entlang der Panke auf der Seite des Soldiner Karrees,

in Richtung des Flusslaufs.

 

Nach ein paar Metern kommen Sie zu einem Spielplatz links des Wegs.

Dahinter sehen Sie die Rückseite eines gelben Backsteingebäudes, das mit Pflanzen bewachsen ist. 

 

Hutfabrik Gattel

 

Ehemalige Hutfabrik Gattel, Prinzenallee 58, © Gattel-Stiftung
Ehemalige Hutfabrik Gattel, Prinzenallee 58, © Gattel-Stiftung

Das ist die ehemalige Hutfabrik Gattel. Die Fassade, die Sie auf dem Foto sehen, ist die Gebäudeseite, die Sie von der Panke aus sehen.

 

Das Fabrikgebäude im Hinterhof und das palazzo-artige Vorderhaus in der Prinzenallee 58 wurden beide 1891 erbaut.

 

Hier wurden unter der Leitung der Gebrüder Gattel Herrenhüte hergestellt.

 

Vorderhaus Prinzenallee 58, © Gattel-Stiftung
Vorderhaus Prinzenallee 58, © Gattel-Stiftung

Die Gattels waren Berliner Juden. Sie führten das Unternehmen über zwei Generationen.

 

1936 wurden die jüngeren Gebrüder Gattel aus der Geschäftsführung herausgedrängt und Anfang der 1940er Jahre zusammen mit ihren Ehefrauen deportiert. Ihre Töchter waren bereits in den 30er Jahren emigriert. Mehr über die Geschichte der Familie Gattel kann man hier erfahren.

 

Heute befindet sich im Gebäude der ehemaligen Hutfabrik im Hinterhof die Wohngenossenschaft Prinzenallee 58 e.G. - im Kiezjargon zu PA 58 abgekürzt.

 

Sie ging aus dem 100. besetzten Haus 1981 in Berlin hervor.

 

Mehr über das Projekt und seine Geschichte findet sich hier. 

Folgen Sie dem Weg entlang der Panke bis zur Kreuzung Stockholmer Straße Ecke Gotenburger Straße. Gehen Sie dann weiter die Stockholmer Straße entlang der Panke. Ihr nächstes Ziel ist die 

 

Alte Feuerwache

 

Alte Feuerwache, Stockholmer Str. 4, © Diana Schaal
Alte Feuerwache, Stockholmer Str. 4, © Diana Schaal
© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Die Alte Feuerwache in der Stockholmer Str. 4 wurde 1913 erbaut und steht unter Denkmalschutz.

 

Ein witziges Detail sind die steinernen Feuerwehrhelme über den Fenstern, die auf die Funktion des Gebäudes hinweisen.

 

Heute befinden sich hier Künstler-Ateliers.

 

 

Gehen Sie weiter bis zur Kreuzung Stockholmer Straße Ecke Osloer Straße.

Dort führt eine Ampel über diese Hauptverkehrsstraße. Überqueren Sie die Osloer Straße und wenden Sie sich dann nach rechts. Dort steht ein großes eisernes Tor offen, mit einem Hinweisschild "Bildhauer-Werkstatt Berlin". Folgen Sie dem gepflasterten Weg. Sie kommen dann direkt zur ehemaligen

 

Tresorfabrik Arnheim

 

Der Schlosser Siegmund Joel Arnheim hatte 1833 in der Rosenthaler Straße die erste Werkstatt zum Bau feuerfester Kassen- und Panzerschränke gegründet.

 

Sohn Carl Arnheim führte den Betrieb bis zu seinem Tod 1905 weiter.

 

Arnheim war die erste Tresorfabrik überhaupt in Deutschland!

 

1890 hatte Carl Arnheim ein riesiges Grundstück entlang der Panke gekauft, das sich heute noch von der Osloer Str. 102 bis zur Badstraße 40 nachvollziehen lässt.

 

Shedhallen der ehemaligen Tresorfabrik Arnheim © Diana Schaal
Shedhallen der ehemaligen Tresorfabrik Arnheim © Diana Schaal

Diese Shedhallen gehörten ebenfalls zur Tresorfabrik Arnheim.

 

Sie wurden 1897 fertig gestellt, stehen unter Denkmalschutz und sind das einzige, was von der riesigen Fabrikanlage  noch übrig geblieben ist.

 

Heute ist hier die Bildhauer-Werkstatt bbk Berlin e.V. untergebracht.

 

Briefkopf der Firma Arnheim mit Fabrikgelände
Briefkopf der Firma Arnheim mit Fabrikgelände

In der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet auch die Tresorfabrik Arnheim in Schwierigkeiten.

 

1938 wurde der Betrieb zwangsarisiert, d.h. an nichtjüdische Besitzer verkauft.

 

Carl Arnheims Witwe Dorothea Arnheim wurde 1942 im KZ Theresienstadt ermordet.

 

Ihre beiden Söhne waren bereits zuvor nach Riga deportiert und dort ermordet worden.

 

Am Ende des gepflasterten Wegs zur ehemaligen Tresorfabrik Arnheim biegt links ein Weg zu einem Fußgängersteg über die Panke. Belieben Sie auf dem Steg stehen und werfen Sie einen Blick auf die

 

Panke-Mühle

 

Die Adresse ist Badstraße 40a, 13357 Berlin.

Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828
Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828

Das erste und lange Zeit einzige Gebäude an der Panke war eine Wassermühle.

 

Sie wurde 1714 erbaut.

 

Drum herum waren nur Wald und Wiesen!

 

Die Mühle wurde mit der Industrialisierung 1890 still-gelegt, und das Mühlrad entfernt.

 

Die Panke-Mühle heute, Badstr. 40a    © Diana Schaal
Die Panke-Mühle heute, Badstr. 40a © Diana Schaal

Man kann heute an der Außenmauer der Mühle noch sehen, wo das Mühlrad einmal saß.  

 

1981 wurde das Mühlen-gebäude vom Architektur-büro Planer in der Pankemühle restauriert, das heute noch dort sitzt.

 

Nun befand sich bei der Mühle eine Quelle, die bereits seit 1748 bekannt war.

 

Drei Jahre später wurde ihre Qualität als eisenhaltige Heilquelle nachgewiesen.

Haben Sie den Steg über die Panke überquert, dann wenden Sie sich bitte nach links. Sie kommen dann zum ehemaligen Heilbad, wo heute die Bibliothek am Luisenbad ist, mit der Adresse Badstr. 39.

Friedrich der Große bzw. König Friedrich II. von Preußen
Friedrich der Große bzw. König Friedrich II. von Preußen

 

Heilbad

 

 

Friedrich der Große hatte einen Hofapotheker

- Dr. Heinrich Wilhelm Behm.

 

1757 gewährte der König seinem Hofapotheker

Dr. Behm das Privileg, hier ein Heilbad einzurichten und zu betreiben.

 

1760 wurde das Heilbad unter dem Namen „Friedrichs-Gesundbrunnen“ eröffnet.

Das Heilbad um 1770
Das Heilbad um 1770

Die fertige Anlage bot Platz für 40 Kurgäste. Hier sehen Sie in der Mitte das Brunnenhaus. Dort sind die Kurgäste hingegangen, um das Heilwasser zu trinken.

 

Friedrich der Große hat das Heilbad auch selbst besucht.

 

Die ursprüngliche Anlage des Heilbads sollte nach Behms Vorstellungen mit einem riesigen Kurpark ausgestattet werden. Doch Friedrich der Große drehte Behm schließlich den Geldhahn zu, weil ihm das Ganze zu teuer wurde.

 

Seine Beamten wurden beauftragt: „den Supplikanten mit seinem unstatthaften Gesuch abzuweisen, wobey er sich beruhigen, und uns mit unnützen Praetensionen nicht weiter behelligen muß.“  Klare Worte von Seiten des Königs!

Königin Luise von Preußen
Königin Luise von Preußen

 

1809 hat man das Heilbad zu Ehren der Königin Luise in „Luisenbad“ umbenannt.

 

1885 kaufte der Baumeister Carl Galuschki die Anlage.

 

Zu diesem Zeitpunkt war sie jedoch kein Heilbad mehr, sondern ein beliebtes Ausflugsziel mit Biergarten,

Kegelbahn und Theatersaal.

 

Das Brunnenhaus hat Galuschki in den Biergarten versetzen lassen, weil er an der Ecke zur Badstraße das sog. Luisenhaus errichtet hat.

 

Reste des ehemaligen Heilbads © Diana Schaal
Reste des ehemaligen Heilbads © Diana Schaal

 

Diese Neo-Renaissance-Fassade aus dem Jahr 1888 stammt von Galuschki.

 

Das Nebengebäude mit der Inschrift „Kafeküche“ hat er 1905 angebaut.

Hier konnten Familien Wasser für ihren mitgebrachten Ausflugs-Kaffee heißmachen.

© Diana Schaal
© Diana Schaal

 

Als 1908 die Travemünder Straße hier angelegt wurde, war das Brunnenhaus wieder im Weg.

 

Dieses Mal wurde es endgültig abgerissen.

 

Zum Gedenken an das abgerissene Brunnenhaus hatte Galuschki dieses Relief an der Fassade des Luisenhauses, dem Eckhaus zur Badstraße, anbringen lassen.

 

Auf dem Brunnenhaus stand die lateinische Inschrift „In Fonte Salus – Im Brunnen die Gesundheit“.

 

 

 

Die Heilquelle war bereits spätestens 1880 versiegt, denn ihre Wasserader war bei Kanalbauarbeiten in der Badstraße angestochen worden.

Das war das Ende der Gesundbrunnen-Quelle.

 

Heute befindet sich in den Resten des ehemaligen Heilbads die Bibliothek am Luisenbad.

Gehen Sie die Panke entlang weiter vor bis zur Badstraße.

Dort wenden Sie sich dann nach rechts, wo nach ein paar Metern eine Ampel auf die andere Straßenseite führt. Überqueren Sie die Badstraße und wenden Sie sich nach links. Dort finden Sie nach einigen weiteren Metern wieder den Uferweg entlang der Panke. Auf der anderen Seite des Flusses sehen Sie ein langgestrecktes, fabrikartiges Gebäude mit einem Schornstein weiter hinten. Das ist das ehemalige

 

Straßenbahn-Depot

 

Eines der ersten öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin war die Pferdebahn.

Das war eine Straßenbahn, die auf Schienen fuhr, jedoch von Pferden gezogen wurde.

Letzte Berliner Pferdebahn 1902
Letzte Berliner Pferdebahn 1902

1873 wurde die Pferdebahnlinie vom Rosentaler Tor bis zur Badstraße im Stadtteil Gesundbrunnen eröffnet. Die Fahrt dauerte 25 Minuten und kostete zuerst 25 Pfennige – für die einfachen Arbeiter dennoch zu teuer.

 

1887 wurde die Strecke bis zum Marheincke-Platz in Kreuzberg verlängert.

So konnte man vom Gesundbrunnen bis nach Kreuzberg mit der Pferdebahn fahren!

Ehemaliges Straßenbahn-Depot Badstraße, heute Uferstudios © Diana Schaal
Ehemaliges Straßenbahn-Depot Badstraße, heute Uferstudios © Diana Schaal

Bereits 1873 hat die Große Berliner Pferde-Eisenbahn Actien-Gesellschaft hier in der Badstraße ein Depot mit Werkstatt für Pferdebahnen errichtet.

 

1928 errichtete Jean Krämer im Auftrag des neuen stadteigenen Verkehrsbetriebs
„Große Berliner Straßenbahn“, einem Vorgängerbetrieb der BVG, hier eine moderne Straßenbahn-Werkstatt. Von der BVG wurden die Gebäude dann als Depot und Werkstatt für Busse genutzt.

 

Die Gebäude sind denkmalgeschützt und werden heute vom Tanztheater Uferstudios genutzt. Die Adresse ist Badstr. 41a.

Folgen Sie dem Uferweg entlang der Panke bis zur Rückseite des Amtesgerichts Wedding. Kurz vorher sehen Sie am Weg das folgende Schild:

 

Walter-Nicklitz-Promenade

 

© Diana Schaal
© Diana Schaal

Wenn Sie am Ufer der Panke entlang wandern, dann haben Sie sicherlich schon öfters dieses Schild gesehen und sich vielleicht gefragt, wer denn dieser Walter Nicklitz war.

 

In den 1950er Jahren hat man mit Geldern des Marschallplans den Panke-Grünzug geschaffen. Damit wurde der frühere Abwasserkanal zum Naherholungsgebiet.

 

Für das Projekt eingesetzt hatte sich der damalige SPD-Baustadtrat Walter Nicklitz. Er lebte von 1911 – 1989.

 

Ihm zu Ehren wurde der Weg entlang des Panke-Grünzugs Walter-Nicklitz-Promenade genannt.

Folgen Sie dem Weg entlang der Panke bis zur Wiesenstraße.

Dort überqueren Sie die Walter-Röber-Brücke.

Auf einer kleines Terrasse über der Panke steht ein großer Baum mit einer Bank davor, wo Sie sich ausruhen können. Daneben finden Sie den

 

Gedenkstein für den Blutmai 1929

 

© Mfriedrich111
© Mfriedrich111

Der Wedding ist traditionell ein Arbeiterbezirk.

Früher hatte er auch mal den Beinamen „Roter Wedding“.

 

Bei der Reichstagswahl 1928 wurde die KPD im Wedding die stärkste Partei.

 

Im Jahr 1929 wurde die traditionelle 1.Mai-Demo verboten!

Bereits 1928 hatte der Berliner Polizeipräsident Karl Zörgiebel von der SPD generell politische Versammlungen unter freiem Himmel in Berlin verboten, weil es jedes Mal zu Kämpfen zwischen Angehörigen der KPD und der erstarkenden NSDAP kam.

 

Im April 1929 wurde die Gültigkeit des Demonstrationsverbotes auch für den

1. Mai bekräftigt. Die KPD dagegen bestand auf ihrem Gewohnheitsrecht für die traditionellen Maikundgebungen.

 

Dem Aufruf der KPD zur 1. Mai-Demo 1929 trotz Verbot folgten weniger Menschen als von der KPD erhofft – 8.000 - 10.000.

 

Die Polizei ging mit Gummiknüppeln, Maschinengewehren und gepanzerten Sonderfahrzeugen gegen verstreute Demonstranten vor!

 

In der hier angrenzenden Kösliner Straße kam es zu gewaltsamen Auseinander-setzungen zwischen kommunistischen Bewohnern und der Polizei, die fast 2 Tage andauerten.

 

Die Bewohner bauten aus Baumaterial Barrikaden. Die Polizei schoss auf die Barrikaden, und einige Barrikadenkämpfer schossen mit Armeepistolen zurück.

Als die Polizei das Gebiet abriegelte, flüchteten die Demonstranten in die Häuser.

Die Polizei eröffnete das Feuer, auch auf Menschen hinter geschlossenen Fenstern und in Hauseingängen. Unter den Opfern waren viele Unbeteiligte, auch Frauen und Kinder.

 

Insgesamt wurden am Blut-Mai in Berlin 33 Menschen von der Polizei erschossen, darunter allein 19 in der Kösliner Straße. Die Polizei hatte keine Toten zu beklagen.

 

Blutmai 1929 - Kösliner Straße
Blutmai 1929 - Kösliner Straße

Dieses Foto hier zeigt die Einfahrt von Polizeifahrzeugen in die Kösliner Straße hier im Wedding.

 

Seit Mai 2019 gibt es jetzt zum Gedenkstein auch eine Infotafel – allerdings nur mit QR-Code, denn anders wäre es – angeblich – zu teuer geworden.

 

Sie wurde vom Aktionsfond des Quartiersmanagements Pankstraße finanziert.

Hinter dem Gedenkstein geht der Uferweg entlang der Panke weiter.

Folgen Sie ihm bis zur nächsten Hauptstraße, der Reinickendorfer Straße.

Dort gibt es einen Fußgängerüberweg. Der Uferweg entlang der Panke geht auf der anderen Straßenseite weiter.

 

Nach einigen Metern kommen Sie an eine Bahnunterführung.

Dahinter führt der Weg an einer ehemaligen Fabrik und einem lauschigen Stück Panke-Ufer vorbei. Auf der anderen Seite der Panke sehen Sie eine malerische Ruine, das

 

Ehemaliges Obdachlosenasyl Wiesenburg

 

Während der industriellen Revolution zwischen 1880 und 1890 kamen immer mehr Menschen nach Berlin, um hier Arbeit zu suchen. Viele von ihnen fanden keine Bleibe und wurden obdachlos. Obdachlosigkeit war damals ein Straftatbestand!

 

Wer obdachlos war, dem wurde automatisch kriminelle Landstreicherei unterstellt.

Ruine der Wiesenburg von der Panke aus gesehen © Diana Schaal
Ruine der Wiesenburg von der Panke aus gesehen © Diana Schaal

 

Bereits 1868 wurde der Berliner Asylverein für Obdachlose von aufgeschlossenen Berliner Bürgern gegründet, die erkannten, dass Wohnungslosigkeit kein persönliches Verschulden und dass Polizei-gewahrsam nicht das richtige Mittel gegen Obdachlosigkeit ist.

 

Der Verein hatte um die Jahrhundertwende ca. 5.000 Mitglieder und ein beachtliches Spenden-aufkommen.

 

Mit seinem Geld errichtete und unterhielt der Verein Unterkünfte für obdachlose Männer und Frauen.

 

1896 ließ der Berliner Asylverein in der Wiesenstraße im Wedding ein Obdachlosenasyl errichten.

 

 

 

 

Das Asyl – im Volksmund Wiesenburg genannt – hatte im Jahr 1907

900 Schlafplätze für Männer und 400 Schlafplätze für Frauen.

 

Die Einrichtung hatte ein eigenes Maschinenhaus mit Dampfmaschine

dazu gehörte der kleinere Schornstein, den Sie auf dem Foto oben sehen.

Damit wurden die Schlafsäle im Winter geheizt.

 

Die Wiesenburg unterschied sich sehr von anderen Obdachlosenasylen der Zeit:

Die Nutzer und Nutzerinnen konnten anonym bleiben, was ein großer Fortschritt war, denn Obdachlosigkeit war ja strafbar.

Obdachlose Männer baden in der Wiesenburg
Obdachlose Männer baden in der Wiesenburg

 

Eine der wenigen Auflagen für die Nutzer und Nutzerinnen war es, ein Bad zu nehmen und die Kleidung desinfizieren zu lassen.

 

Das Obdachlosen-Asyl gewann 1902 auf der Welthygiene-ausstellung den ersten Preis.

 

 

 

Das Gelände der Wiesenburg wurde auch als Filmkulisse genutzt, z.B.1978 für Volker Schlöndorfs Verfilmung von „Die Blechtrommel“ oder 1981 für Rainer Werner Fassbinders „Lili Marleen“.

 

Inzwischen sind etliche Gebäude so verfallen und einsturzgefährdet, dass man den Zugang dazu sperren musste.

 

2014 hat die DEGEWO das Gelände übernommen, um den historischen Ort vor Verfall und Unbewohnbarkeit zu bewahren.

Die hat inzwischen auf dem weitläufigen Gelände neue Wohnhäuser gebaut.

Wenn Sie weiter dem Weg entlang der Panke folgen, kommen Sie auf die Gerichtsstraße. Gehen Sie die Gerichtsstraße rechts runter, dann kommen Sie auf den Nettelbeckplatz. Dort hält der Bus M27, und dort befindet sich auch die S-Bahn-Haltestelle Wedding.

 

Ich freue mich über Kommentare in meinem Gästebuch!