Wilhelm Böse und seine Brücke

 

Die Brücke, die den ehemaligen Bezirk Wedding mit dem ehemaligen Bezirk Prenzlauer Berg verbindet, hieß ursprünglich Hindenburgbrücke. Im Volksmund heißt sie bis heute Bornholmer Brücke, nach dem dort gelegenen S-Bahnhof Bornholmer Straße.

 

Offiziell trägt sie den Namen, den man ihr zu DDR-Zeiten gegeben hat: Bösebrücke.

Der Name hat jedoch nichts mit irgendeiner Bösartigkeit dieser Brücke zu tun, wie man vielleicht fälschlicherweise annimmt.

 

Es ist der Name eines Weddinger Widerstandskämpfers, dem hier gedacht werden soll:

 

Wilhelm Böse (1883 - 1944)

 

Da Wilhelms Vater früh verstarb, musste er bereits mit 10 Jahren durch Botengänge zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Nach acht Jahren Volksschule lernte er Elektriker und arbeitete bei der AEG. Dort wurde er gewerkschaftlich aktiv und setzte sich für soziale Verbesserungen ein. Deshalb setzte ihn der Unternehmerverband auf eine Schwarze Liste des Unternehmerverbandes, so dass er in der Elektro- und Metallindustrie keine Anstellung mehr bekam.

 

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Wilhelm Böse im Prenzlauer Berg Funktionär der KPD.  Ab 1933 beteiligte er sich daran, die KPD im Untergrund zu organisieren. Er arbeitete mit bei der Herstellung und dem Vertrieb der Roten Fahne und sammelte Spenden für inhaftierte Anti-Faschisten und deren Angehörige. 1934 wurde er verhaftet und erhielt zwei Jahre Zuchthaus.

 

Doch das schreckte Wilhelm Böse nicht davon ab, nach seiner Haft weiter im Deutschen Widerstand mitzuarbeiten: Er unterstützte den Aufbau der Widerstands-organisation um Robert Uhrig und John Sieg.  Dabei arbeitete er als Kurier zwischen den Gruppen Uhrig/Sieg und Widerstandsgruppen bei Waffen- und Munitionsfabriken sowie Betriebsgruppen der KPD.

 

1942 wurde Wilhelm Böse von der Gestapo verhaftet und für zwei Jahre in ein Konzentrationslager gesteckt, bevor er 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Im August 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

 

Die Bösebrücke am 10. November 1989   © Bundesarchiv
Die Bösebrücke am 10. November 1989 © Bundesarchiv

Wilhelm Böses letzte Adresse war die Grüntaler Str. 32.

 

Deshalb wurde die nahegelegene Brücke zwischen dem Wedding und dem Prenzlauer Berg nach ihm benannt.

 

Hier am Grenzübergang Bornholmer Straße wurde am

9. November 1989 als erstes

die Berliner Mauer geöffnet.