Friedrich der Große als Gründer des Soldiner Kiezes

Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828
Die Panke-Mühle auf einer Zeichnung von 1828

 

Die Panke-Mühle

 

Das erste und lange Zeit einzige Gebäude an der Panke war eine Wassermühle.

 

Sie wurde 1714 erbaut.

 

Drum herum waren nur Wald und Wiesen!

 

Die Panke-Mühle heute   © Diana Schaal
Die Panke-Mühle heute © Diana Schaal

Die Mühle wurde mit der Industrialisierung 1890 stillgelegt, und das Mühlrad entfernt.

 

1981 wurde das Mühlengebäude restauriert.

 

Nun befand sich bei der Mühle eine Quelle, die bereits seit 1748 bekannt war. Drei Jahre später wurde ihre Qualität als eisenhaltige Heilquelle nachgewiesen.

 

 

 

Das Heilbad

 

Friedrich der Große hatte einen Hofapotheker

- Dr. Heinrich Wilhelm Behm.

 

1757 gewährte der König seinem Hofapotheker Dr. Behm das Privileg, hier ein Heilbad einzurichten und zu betreiben.

 

1760 wurde das Heilbad unter dem Namen „Friedrichs Gesundbrunnen“ eröffnet.

Das Heilbad um 1770
Das Heilbad um 1770

Die fertige Anlage bot Platz für 40 Kurgäste. Hier sehen wir in der Mitte das Brunnenhaus. Dort sind die Kurgäste hingegangen, um das Heilwasser zu trinken.

 

Friedrich der Große hat das Heilbad auch selbst besucht.

 

Die ursprüngliche Anlage des Heilbads sollte nach Behms Vorstellungen mit einem riesigen Kurpark ausgestattet werden. Doch Friedrich der Große drehte Behm schließlich den Geldhahn zu, weil ihm das Ganze zu teuer wurde. Seine Beamten wurden beauftragt: „den Supplikanten mit seinem unstatthaften Gesuch abzuweisen, wobey er sich beruhigen, und uns mit unnützen Praetensionen nicht weiter behelligen muß.“  Klare Worte von Seiten des Königs!

 

Die Kolonie hinter dem Gesundbrunnen

 

Mit dem Heilbad als Bezugspunkt entstanden zwei neue Siedlungsstränge:

 

Zum einen entstand das Gebiet links und rechts der Badstraße.
Denn das Heilbad war Endpunkt der Straße von der Innenstadt über den Ausbau und die Bebauung entlang der Brunnenstraße über die Badstraße bis hin zum Heilbad.

Die beiden Straßennamen weisen auf das Heilbad hin.

 

Zum anderen entstand eine Kolonie von landwirtschaftlichen Siedlern hinter dem Heilbad entlang der Panke - die sog. Kolonie hinter dem Gesundbrunnen.

Daher hat übrigens die Koloniestraße seit 1800 ihren Namen!

 

Ab 1782 bot Friedrich der Große das Land hinter dem Heilbad entlang der Panke auswärtigen Siedlern zur Bebauung an, um die Versorgung Berlins mit Obst und Milchprodukten zu verbessern. Diese Kolonie begann mit 12 Siedlern aus Süddeutschland, Böhmen und der Schweiz.

 

So sahen die Häuser der Kolonisten aus:

Kolonistenhäuser in der Koloniestraße 21,  Foto von 1890
Kolonistenhäuser in der Koloniestraße 21, Foto von 1890

Das ist übrigens ungefähr da, wo heute das Seniorendomizil an der Panke ist.

 

Die Häuser waren höchstens einstöckig und für ein oder zwei Familien ausgelegt. Jedes Haus enthielt Stube, Kammer und Stall. Dazu gehörten fünf oder bei Doppelhäusern zehn Morgen vererbbares Land. Die Kolonisten waren verpflichtet, Obstbau zu betreiben. Die Anpflanzung von Obstbäumen und die Anschaffung einer Kuh wurden besonders vergütet. Sollte die Kuh eingehen, war sofort eine neue zu erwerben, denn „…sowohl Bäume als Kuh sind ein dem Etablissement anklebendes Inventarium“.

 

Nach sechs Freijahren sollte der Hof Ertrag abwerfen, und dann wurde den Kolonisten ein kleiner Erbzins auferlegt. Haus und Hof durften erst ab der dritten Generation verkauft werden, und dann auch nur an Gärtner.

 

Von diesen Kolonistenhäusern aus dem 18. Jahrhundert ist nur eins übrig geblieben.

 

Es wurde 1783 erbaut und ist das älteste noch existierende Haus im Stadtteil!

 

Das Kolonistenhaus befindet unter der Adresse Koloniestr. 57.

 

Es steht natürlich unter Denkmalschutz, war zwischenzeitlich mal sehr verfallen und wurde von der PinkePanke GmbH saniert

Das Kolonistenhaus in der Koloniestr. 57    © Diana Schaal
Das Kolonistenhaus in der Koloniestr. 57 © Diana Schaal

 

Die Entstehung des Arbeiterviertels

 

Um 1880 siedelten sich immer Industriebetriebe an der Panke an.

Insbesondere die Gerbereien verwandelten die Panke in die "Stinkepanke".

 

Damit war es mit dem Heilbad endgültig vorbei.

Es wurde zur Vergnügungsstätte der Arbeiterschaft aus dem Wedding.

 

Aber auch ansonsten änderte sich einiges im Stadtteil Gesundbrunnen, wie Otto Suchsdorf 1891 in der Lokalzeitung "Die Quelle" anschaulich beschrieb:

 

„Ein Stück Idylle nach dem anderen mußte dem Nützlichkeitsprinzip weichen. Der Einverleibung des Gesundbrunnen als Stadtteil folgte die Festsetzung der Straßenfluchten, das Abholzen uralter Bäume, das Abbrechen der kleinen, schöngelegenen Landhäuser, und der Anlage der Pferdebahn in der Badstraße mußte Teil des alten Quellgartens zum Opfer fallen; an der Stelle der Baumriesen stehen jetzt andere Riesen in Form von Mietskasernen im Geschmack der Gründerzeit und an Stelle der Blumengärten auf der Pankeinsel und des Poetensteigs Fabrikgebäude für Geldschränke. ... “

 

Postkarte vom Heilbad,  1808
Postkarte vom Heilbad, 1808

Die Postkarte zeigt den früheren Baumbestand hinter dem Heilbad.
In den 1890er Jahren wurde hier alles abgeholzt und zugebaut, wie Otto Suchsdorf schrieb. Die erwähnte Fabrik für Geldschränke war die 1890 im Bau befindliche Tresorfabrik Arnheim - eine ihrer Fabrikhallen existiert heute noch und wird als Bildhauerwerkstatt benutzt.  

 

Den Gerbereien an der Panke folgten auch noch andere Fabriken, z.B. 1876 die Lederfabrik Römer in der heutigen Wollankstr. 61, 1891 die Hutfabrik Gattel in der Prinzenallee 58 oder  1899 die Malzbierbrauerei Groterjan in der Prinzenallee 75-80.

Auch von diesen drei Fabriken stehen heute noch Gebäudereste.

 

Bald schon entstanden weitere Industriebetriebe und Wohnhäuser links und rechts von der Panke - ein neues Arbeiterviertel war geboren.

 

Die ersten Gründerzeithäuser in der Biesentaler Straße  © Diana Schaal
Die ersten Gründerzeithäuser in der Biesentaler Straße © Diana Schaal

 

So entstand das Gebiet, das heute - unter anderem - den Soldiner Kiez bildet.

 

Die ersten Mietshäuser im Stil der Gründerzeit wurden in den 1870er Jahren gebaut, so z.B. in der Biesentaler Straße, wo heute noch insgesamt 7 denkmalgeschützte Häuser aus dieser Zeit erhalten sind.

 

Seit 1999 ist der Soldiner Kiez Gebiet eines Quartiersmanagements.

 

Gebietskarte des Quartiersmanagements Soldiner Kiez
Gebietskarte des Quartiersmanagements Soldiner Kiez

 

Mehr zur Geschichte des historischen Arbeiterviertels oder zur Entwicklung entlang der Panke können Sie auf meinen Führungen erfahren!