Amelie Olbricht

(20.3.1945 - 25.4.2016)

Als Flüchtlingskind aus den deutschen Ostgebieten hatte es die kleine Amelie in Bayern nicht gerade leicht.

© Peter Brandt, Bilder der Revolte, Ausschnitt
© Peter Brandt, Bilder der Revolte, Ausschnitt

Mit Anfang 20 schloss sie sich in Berlin der Kommune Eins an – ein bisschen rebellisch war sie ja schon immer, unsere Amelie. Sie hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Neben Uschi Obermaier war sie eine der schönsten Frauen der Kommune.

 

Auf dem Foto rechts sehen wir Amelie Olbricht im Sommer 1967.

 

Ihre Berufung sah Amelie Olbricht dann auf der Bühne: Sie wurde Schauspielerin und hatte feste Engagements an drei Theatern. Danach arbeitete sie 15 Jahre lang in der Off-Szene und inszenierte „Das Meerweib“.

 

© gettyimages, Franziska Krug
© gettyimages, Franziska Krug

Unter dem Künstlernamen Amelie zur Mühlen wirkte sie zwischen 1984 und 2002 in 20 Filmen mit, so z.B. im Fernsehfilm "Schatten der Angst" (1988), "Paradiso - Sieben Tage mit sieben Frauen" (1999) und "Ein lasterhaftes Pärchen" (2000).

 

Das Foto links zeigt Amelie Olbricht in ihren Jahren als Schauspielerin.

 

Uns im Soldiner Kiez bleibt Amelie Olbricht unvergessen:

 

Sie hat neben Peter Slavik im Theater im Medienhof mitgearbeitet und ist nach der Schließung des Theaters 2007 mit ihm zusammen zum Forum Soldiner Kiez gestoßen. Von 2007 bis 2010 hat sie dort zusammen mit Peter Slavik und Jürgen Nafti in szenischen Lesungen mitgewirkt.

 

© Kerstin Kaie
© Kerstin Kaie

Bis 2013 hat Amelie Olbricht mit vorwiegend migrantischen Jugendlichen aus dem Soldiner Kiez Schattentheaterstücke auf die Beine gestellt: "Der Fliegende Koffer" nach Hans Christian Andersen, "Karagöz lässt grüßen", „Karagöz und Hacivat in Berlin“ sowie "Der fliegende Teppich".

 

© Kerstin Kaie
© Kerstin Kaie

Die Jugendlichen haben unter ihrer Leitung die Figuren selbst hergestellt und die Dialoge selbst erarbeitet. Die Produktionen wurden im Vinetheaterherbst, Vinetaplatz, im Seniorenheim Grüntalerstraße, in der Galerie Eiswürfel, im Glaskasten und im Forum Soldiner Kiez aufgeführt.

 

Außerdem wirkte Amelie Olbricht als Erzählerin bei den Märchentagen mit und trat bei der Langen H.P. Lovecraft-Nacht der Schönen Kiezmomente als Vorleserin auf.

 

Amelie Olbricht hatte hohe ästhetische Ansprüche an sich, ihre Arbeit und ihre Umgebung. Sie hat gezeichnet, gemalt und schöne Dinge gesammelt.

 

Als ich sie Anfang des neuen Jahrtausends zum ersten Mal bei einem Fest im Theater im Medienhof tanzen sah, dachte ich sofort: Was für eine schöne, elegante und lebenslustige Frau!

 

In ihren beiden letzten Jahren lebte Amelie Olbricht aufgrund einer sich rasch verschlimmernden Demenzerkrankung in einer betreuten WG in Friedenau. Dort haben Thomas Kilian und ich sowie zwei enge Freundinnen sie oft besucht.

 

 

Nach schwerer Krankheit ist sie einen Monat nach ihrem 71. Geburtstag für immer von uns gegangen. 

 

Wir werden Amelie in unseren Herzen bewahren.

 

Diana Schaal

 

Amelie Olbricht wurde am 26.7.2016 auf dem katholischen Domfriedhof St. Hedwig, Liesenstr. 8 beigesetzt.

 

Viele ihrer Freundinnen und Freunde nahmen von ihr Abschied.