Otto und Elise Hampel

 

Ein Weddinger Arbeiterpaar im Deutschen Widerstand

 

Nicht nur Mitglieder von adligen Militärfamilien um Claus Schenk Graf von Stauffenberg in Berlin oder Studenten wie die Geschwister Hans und Sophie Scholl in München haben Widerstand gegen Hitler geleistet.

 

Es waren auch einfache Arbeiter/innen aus dem Wedding dabei!

 

Otto und Elise Hampel waren ein kinderloses Arbeiterehepaar aus dem Wedding, das Postkarten gegen Hitler und seine Kriegsführung schrieb und in Berlin verteilte.

 

Hochzeitsfoto von Otto und Elise Hampel     © Privatbesitz
Hochzeitsfoto von Otto und Elise Hampel © Privatbesitz

Otto Hampel (1897 – 1943) hatte drei Jahre Volksschule hinter sich und verdingte sich als Hilfsarbeiter, bevor er 1916 als Soldat zum Ersten Weltkrieg eingezogen wurde. 1923 fand er eine Stelle im Kabelwerk Siemens-Schuckert.

 

Seine Frau Elise (1903 – 1943) hatte ebenfalls nur wenige Jahre Volksschule, sie arbeitete als Hausmädchen und als Näherin.

 

Das Paar bezog 1934 eine Wohnung in der Amsterdamer Str. 10 im Wedding. 

 

Die Hampels waren zuerst Mitläufer des national-sozialistischen Regimes: Otto war Mitglied der NS-Gewerkschaftsorganisation Deutsche Arbeitsfront, Elise war in der NS-Frauenschaft.

 

Als Elises jüngerer Bruder Kurt 1940 im Feldzug gegen Frankreich fiel, wurde das zum Schlüssel-erlebnis für die Hampels:

 

Sie schrieben mit der Hand Postkarten und Flugblätter mit Anti-Hitler-Texten und gegen den Krieg und legten diese heimlich in Hausflure, Treppenhäuser und Briefkästen, hauptsächlich im Wedding, aber auch in Moabit, Schöneberg und am Schlesischen Tor.

 

Die Blockschrift war ungelenk, Satzbau, Grammatik und Rechtschreibung waren fehlerhaft, doch die Botschaft blieb deutlich:

 

"Nieder mit der Hitler Regierung! Nieder mit dem Zwangs Elends Dicktat in unser Deutschland!"

"Alle helfen mit der Verbrecherischen Kriegs-Maschine ein Ende zubereiten!!! Wir müssen uns zur Wehr setzen!!!"

 

Wer beim Hören ausländischer Radiosender erwischt wurde, hatte mit Zuchthaus zu rechnen. Beim Verteilen solcher Botschaften erwischt zu werden, war  mit Sicherheit tödlich - wieviel Mut musste es erfordert haben, dieses Risiko einzugehen!

 

Originalpostkarte von Otto und Elise Hampel
Originalpostkarte von Otto und Elise Hampel

 

Die Hampels hatten ca. 200 Postkarten bzw. Flugblätter verteilt, als sie im September 1942 von Gertrud Waschke aus Schöneberg beim Ablegen einer Postkarte im Hausflur beobachtet und denunziert wurden. Man klagte sie wegen Wehrkraftzersetzung und Hochverrat an. Zu Beginn des Verfahrens sagte Elise Hampel aus, die Postkarten seien ihr gemeinsames Werk, während Otto Hampel versuchte, seine Frau zu schützen, indem er behauptete, allein dafür verantwortlich zu sein. Doch angesichts der Todesstrafe zerbrach ihre Solidarität, und sie beschuldigten sich gegenseitig der Anstiftung.

 

Im April 1943 wurden Otto und Elise Hampel im Gefängnis Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet.

 

Die Polizeifotos von Otto und Elise Hampel und Postkarten
Die Polizeifotos von Otto und Elise Hampel und Postkarten

 

Das Haus in der Amsterdamer Str. 10 wurde im Herbst 1943 durch eine Fliegerbombe zerstört. An dem Neubau aus den 50er Jahren befindet sich heute eine Gedenktafel für das Ehepaar Hampel (Stadtplanausschnitt).

 

Hans Fallada hat ihre Geschichte mit dem treffenden Titel „Jeder stirbt für sich allein“ als Roman festgehalten. Das Buch wurde zum internationalen Bestseller.

Im Roman heißen die Hampels Otto und Anna Quangel.

 

Der Roman ist bereits mehrfach verfilmt worden, zuletzt 2015 unter dem Titel "Alone in Berlin". Eine Auflistung der Verfilmungen findet sich hier.

 

In der Gedenkstätte Plötzensee wird insbesondere der Mitglieder des Deutschen Widerstandes gedacht, die dort hingerichtet wurden:

43 Mitglieder des Widerstandsnetzwerks „Rote Kapelle“ und 89 Mitwisser der Wider-standsgruppe 20. Juli 1944 um Claus Schenk Graf Stauffenberg

 

Adresse: Hüttigpfad, 13627 Berlin (Stadtplanausschnitt)

http://www.gedenkstaette-ploetzensee.de/